Multiplex Heron – Das Unboxing

Offiziell herrscht bei Flying Tom ein strikter Beschaffungsstopp. Einerseits platzt der Hangar noch immer aus allen Nähten. Andrerseits sind die verfügbaren Flugstunden wegen beruflichen und RC-fremden privaten Projekten zur Zeit spärlicher als auch schon. Nach der Überraschung mit der Convergence im Februar hat uns aber ein weiterer „Zeitzünder“ die Heron beschert. Das kam so:

Motivation

Durch taktisch geschicktes Bejammern der übergebührlichen Belastungen in obigen Projekten sah sich mein Arbeitgeber genötigt Motivationsprämien/Schmerzensgelder auszurichten. Ein Gutschein vom Hobby-Pilot wars in meinem Fall (nochmals vielen Dank!), vom Wert her geeignet, die fliegerische Lücke zwischen der 2-Meter-Schaumwaffel Sky Climber und dem 2.5-Meter-Carbon-Geschoss E-Tomcat zu schliessen. Die RR Heron mit BL-Antrieb von Multiplex sollte es sein. Man schrieb November 2016.

Die langatmigen Produktionszyklen bei Multiplex und die bescheidene Lagerhaltung im Händlernetz führten leider dazu, dass bis dato nichts bei uns eintraf ausser Durchhalteparolen. Klar, wir waren zwischen den Saisons. Und wenn man am Hang stand, dann auf den Skiern und nicht mit der Funke. Doch nun, da der Osterhase sich bereits in die Sommerferien abgemeldet hat, sollte sich endlich was tun.

Und es hat sich was getan. Überraschend geht der Bestellungsstatus auf „Bereit zur Abholung“. Bin schon unterwegs.

Das Paket

Wir haben uns eine Multiplex RR Heron mit BL-Antrieb (Artikel-Nr.: 264276) bestellt. Wofür „RR“ auch immer stehen mag. Es bedeutet, dass man nur noch einen Empfänger und einen Akku beizusteuern braucht, und schon ist man flugbereit. Das dauert 15 Minuten. Zumindest steht das so auf der Schachtel.

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Dies ist erst unser zweites Modell von Multiplex. Das erste war eine RR Pilatus PC-6. Warum kaufen wir eigentlich meist nur Horizon Hobby (HH)-Zeug? Wir glauben nicht, dass das etwas mit der Qualität zu tun hat. Wahrscheinlich ist das HH-Marketing nur ein wenig präsenter, um nicht zu sagen aggressiver.

Wie auch immer! Eine Multiplex-Modell auszupacken ist etwas komplett anderes als zum Beispiel das Siegel einer E-flite-Schachtel zu aufzubrechen. Böse Zungen behaupten, dass HH mehr Ehrgeiz in die virtuos geformten Polystyrol-Verpackungen investiert als in deren Inhalt. Wer hat das gesagt? Wir nicht, und wir werden unsere Quellen nicht offen legen. Und übrigens, die meisten unserer Schaumwaffeln kommen von diversen HH-Herstellern. Tatsache ist aber, dass diese komplizierten Verpackungen das Modell auf dem Weg vom Hersteller zum Kunden hervorragend schützen. Sie lassen sich aber meist nicht mehr für den Transport des flugfähigen Modells verwenden.

Multiplex macht das ganz anders. Die Schachtel ist nur mit ein paar Bögen Blister-Folie aus Polyäthylen ausgepolstert. Das sieht auf den ersten Blick etwas hausbacken aus. Für den späteren Transport im Auto ist das aber perfekt. Das ganze Engineering und das Geld des Kunden kommen dem Modell zu gute. Bei der Verpackung bleibt man pragmatisch. – Sehr gut!

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Der Inhalt

Die Heron ist schon gut zwei Jahre auf dem Markt. Die Reihe von Berichten über Unboxings, Reviews, Erstflüge und andere Heldentaten auf YouTube ist unendlich.

Wenn du sehen möchtest, was alles in der Schachtel ist und wie sich die Heron fliegt, dann schau einfach hier:

Der Bausatz enthält vier hochwertige Teile aus ELAPOR® – Rumpf, Höhenleitwerk und zwei Flügel – und eine kleinen Plastikbeutel mit Kleinteilen und Verbrauchsmaterial. Das ist alles. RR! Die Servos, die Verkabelung, die Stecker, die Anlenkungen und Verstärkungen sind von aussen sichtbar. Form follows function, sagt der Engländer, die Funktion bestimmt die Form. So mögen wir das.

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Das Rad

Als erstes sticht uns das Rad ins Auge.

Beim Rollen auf dem Wohnzimmerboden macht es zwar billige Plastikgeräusche, lässt die Heron aber ziemlich professionell aussehen. Von all unseren Seglern hat bisher keiner ein Rad gehabt. Auch nicht jene, welche das Drei- bis Vierfache der Heron kosten. Wir sind beeindruckt.

Allerdings gibt es aber keine Bremse. Wir möchten die Heron auch am Hang einsetzen. So fragen wir uns leicht beunruhigt, wie die Heron nach der Landung bei reichlich Wind auf einer steilen Alpweide zum Stehen kommt. Vielleicht wäre eine einfache Kufe doch besser geeignet für unsere Zwecke.

 

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Die Flügelmontage

Folgendes kommt dir vielleicht bekannt vor: Du bist mitten in der Nacht aufgestanden um bei Zeiten am Hang zu stehen. Nach zwei Stunden Fahrt und einer einstündigen Wanderung bergauf musst du feststellen, dass du den Flügelverbinder deines Lieblingsmodells zu Hause vergessen hast. *%@#! – Solches Ungemach wird dir mit der Heron nicht mehr passieren, zumindest nicht mit dem Flügelverbinder. Das Modell hat einen fest eingebauten Mechanismus für das Zusammenstecken der Flügel. Das schont nicht nur den vergesslichen Piloten, sondern hat auch aerodynamische Vorteile.

Man hört gelegentlich Klagen über Schaum-Segler ohne angemessene V-Stellung der Flügel. Das kommt daher, dass preiswerte Modelle häufig einen geraden einteiligen Flügelverbinder verwenden. Dieser geht wie eine Flügelholm tief von einem Flügel durch den Rumpf in den anderen Flügel. Die gewünschte positive V-Stellung wird dadurch verhindert. Multiplex hat sich hier was kleveres ausgedacht: Man verwendet zwei kurze geteilte Verbinder. Diese sind jeweils in einem Flügel fest montiert und passen in eine Aufnahme des anderen. So werden die Flügel stabil verbunden und in eine V-Stellung von um die +3 Grad gezwungen. Ein zentraler Stift, welcher durch das Cockpit eingeschoben wird, verhindert das Herausrutschen der Flügel im Flug.

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Wo Licht ist, ist leider meist auch Schatten: Auch nachdem wir die Flügel bereits ein gutes Duzend Mal montiert haben, tun wir uns immer noch schwer. Ohne Drücken, Rütteln, Würgen und Fluchen geht es nicht. Einige brachiale Versuche haben bereits vor dem Erstflug Dellen in den Oberflächen hinterlassen. Hinzu kommt noch, dass die Anschlusskabel der Flügel-Servos sehr kurz sind. Sie einzustecken ist mühsam. Noch viel mühsamer ist es, sie bei der Flügelmontage nicht wieder heraus zu reissen. In den Multiplex-Videos auf YouTube sieht das so einfach aus. Vielleicht sind wir einfach zu blöd oder zu ungeschickt. Vielleicht muss sich das ganze nur noch ein wenig einlaufen. Trotzdem gewinnt Multiplex gemäss aktueller Rangliste den Preis für die fummeligste Flügelmontage, welche wir je in Händen hatten.

Die Flügel-Hinterkanten

Es ist bekannt, dass Schaum-Segler keine rasierklingenscharfen Flügelhinterkanten haben können wie jene aus GFK oder CFK. Das hat wohl mit den Herstellungsverfahren und der angestrebten Langlebigkeit zu tun. Die 4 Millimeter der Heron kommen uns trotzdem aerodynamisch gesehen etwas grob vor. Wir messen bei unserer bewährten Sky Climber nach. Die hat auch genau 4 Millimeter. Alles bestens!

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Das reicht zum Fliegen allemal. Über aerodynamische Feinheiten brauchen wir hier aber nicht zu sprechen, insbesondere nicht optimierte Klappenstellungen mit einem Grad mehr oder weniger Ausschlag nach unten und oben. Drei Flugmodi zur Steuerung der Wölbklappen und Querruder reichen völlig. Wir werden unsere DX9 auf Cruise, Thermal und Speed programmieren.

Die Verkabelung

Beim RR-Modell sind die sechs Servos fixfertig installiert. Je zwei in den Flügeln und zwei im Seitenleitwerk für Höhe und Seite. Alle Kabel enden mit einem Servo-Stecker entweder direkt oder über die Flügelanschlüsse im Cockpit-Bereich. Die Kabel sind lang genug, damit für die Position des Empfängers die nötigen Freiheiten bleiben. – Gut.

Leider hat sich Multiplex den Aufwand für die Beschriftung der Kabelenden gespart. So kann man jetzt zwar erkennen, ob ein Kabel aus dem Flügel oder aus dem Heck kommt. Sie kommen aber immer paarweise. Deshalb kann man nicht sagen, welcher Servo genau an dem Kabel hängt. Die Chancen sind fifty-fifty. – Schlecht.

Wohin mit den RC-Komponenten?

„Nur noch einen Empfänger und einen Akku hinzufügen, und fertig“, sagen sie. In unserem Fall sind das (siehe auch Stückliste):

  • Spektrum AR7350 Empfänger
    (Nachtrag
     08.05.2017: Wegen „Unverträglichkeiten“ zwischen den AS3X-Funktionen des AR7350 und unseren Vorstellungen einer korrekten Butterfly-Konfiguration haben wir den Empfänger gewechselt. Neu verwenden wir eine Nicht-AS3X-Empfänger AR8010T)
    (Nachtrag 12.05.2017: Der AR8010T erwies sich als zu sperrig für den kleinen Empfängertunnel im Rumpf der Heron. Wir haben deshalb erneut gewechselt und verwenden jetzt einen AR8000 mit TM1000 Telemetrie.)
  • ePower EXP eco-30C 2200mAh 3S Lipo-Akku.

Wo der Regler hinkommt ist klar. Multiplex hat ihn schon an die linke Cockpit-Wand geklettet und die Motor-Kabel entsprechend verlegt (und festgeklebt). Der Akku liegt gleich daneben auf dem Boden des Cockpits. – Passt.

Aaaaber …! – Und jetzt kommt es wieder, dieses seltsame Déja-vu. Plötzlich erinnern wir uns an den Kampf, welchen wir mit den RC-Komponenten in unserer Multiplex PC-6 damals hatten. Unglücklicherweise bedeutet „RR“ eben auch: Rumpfhälften zusammengeklebt und kaum Zugang zum Innenleben des Modells. Bei der PC-6 sind wir dank einer Luke unter dem Rumpf nochmal davongekommen. Den Empfänger konnten wir da versorgen. Die Heron hat aber keine solche Luke. Der einzige Weg zum Empfänger-Tunnel im Rumpf geht durch die Cockpit-Öffnung. Es wird nicht leicht sein, den Empfänger einigermassen gerade und ohne die Antennen abzuknicken in den Rumpf zu kriegen. Gleichzeitig auch noch die Kabel-Hydra der Servos zu zähmen, dürfte eine wirkliche Herausforderung werden. Super, wir bauen mal wieder ein Buddelschiff, notabene in einer undurchsichtigen Flasche für maximalen Bastelspass!

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Übrigens: Die Beschriftung der Kabelenden stammt nicht von Multiplex …

Das hintere Ende des roten Klettbands am Rumpf-Boden befindet sich mehr als 20 Zentimeter hinter der Hinterkante der Cockpit-Öffnung. Der Tunnel im Rumpf hat gerade mal ca. 4 x 3 Zentimeter und es liegen dicke Kabelstränge drin. Der Empfänger soll da rein. Und der Empfänger-Satellit. Und das Variometer. Und das GPS. Und … – Seufz!

Nur für den Fall, dass ein Multiplex-Designer unseren Blog liest: Die Kollegen von Nine Eagles haben das bei der Sky Climber so gelöst. Was aus China kommt ist nicht immer schlecht. Nein, ganz bestimmt nicht. – Warum gibt’s das nicht bei der Heron? – Ah, ich verstehe. Das Rad.

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Die Cockpit-Haube

Die sieht doch ganz hübsch aus. Bei der RR-Version klebt der Hersteller Bildchen mit Instrumentenbrett, Sitz und Gurten ein. Das Interieur ist gut sichtbar durch das klare Plastik der Haube.

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Wir werden ein Platzproblem haben mit unseren RC-Komponenten. Das hat sich in den Kapitel weiter oben schon klar abgezeichnet. Die abnehmbare Cockpit-Haube ist mit ihrer Grundplatte verklebt. Ihr ganzes Volumen ist damit nicht nutzbar. Die Hälfte des Rumpf-Volumens im Cockpit-Bereich geht so verloren. Wir müssen uns da was ausdenken. Das Bastelmesser liegt schon bereit.

Zusammenfassung und erstes Fazit

Unsere Anforderungen betreffend Flexibilität der Ausrüstung und Vorbereitungen für den weiteren Ausbau des Modells sind wahrscheinlich, sagen wir mal, etwas überdurchschnittlich. Die RR-Heron fällt da leider durch. Wir würden die Heron deshalb nicht mehr in der RR-Version kaufen sondern als Bausatz (Multiplex BK Heron, Artikel-Nr.: 214276). Nur so kriegen wir das gebaut wie wir das haben wollen.

Wie geht’s weiter?

Siehe unseren Baubericht: Multiplex Heron – Baubericht

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Ein Gedanke zu “Multiplex Heron – Das Unboxing

  1. Pingback: Multiplex FunGlider – Le roi est mort, vive le roi! | Flying Tom's Blog

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