Baubericht F-86 Sabre von Great Planes

Warum schreibt einer einen Baubericht zu einem Fertigmodell? – Das kam so:

gpma1771-f-86_sabre-main-lg Die F-86 stand schon länger unbenutzt bei uns im Hangar.

Das Fertigmodell aus den USA wurde original als RTF-Schaumwaffel mit Tactic-Sender und -Empfänger verkauft. Vermutlich weil Tactic in Europa nicht sehr weit verbreitet ist, kam das Set bei uns ohne den zugehörigen Sender auf den Markt. Stattdessen wurde der AnyLink-Adapter dazu angeboten, welcher an die hierzulande gängigen Sender wie Spektrum, Futaba etc. angeschlossen werden konnte.

Das Binden auf unsere DX6i war allerdings Glückssache und nicht dauerhaft. Manchmal ging‘s, manchmal ging‘s nicht. Und manchmal dauerte es zehn Minuten, bis sich Sender und Empfänger fanden. Support im Internet zu dieser Problematik war spärlich. Know-how unter den Modellfliegerkollegen auch: „Das ist ja nur Spielzeug.“

Es kam was kommen musste: Mit der Freude war es schnell vorbei. Säuberlich verpackt dämmerte die F-86 im Hangar vor sich hin. Der unförmige AnyLink-Adapter wurde von der DX6i wieder abmontiert und ging mit der Zeit verloren. Damit wäre eigentlich auch das Schicksal der F-86 besiegelt gewesen. Aber ein gutes, flugfähiges Modell praktisch ohne Gebrauchsspuren und ohne auch nur einen Absturz auf dem Zähler kann man nicht einfach wegschmeissen.

Lag da nicht noch ein kleiner AR6310-Empfänger in der Grabbelkiste? Den hatte ich vor längerem im Internet ersteigert. Konkrete Pläne dafür gab es keine. Nicht zuletzt deshalb, weil ich es bisher noch kaum mit Steckern zu tun bekommen hatte, welche in die Spektrum-Ultra-Micro-Buchsen dieses Empfängers gepasst hätten.

P1040321 Das Projekt(chen) war geboren: Tactic raus, Spektrum rein. Das mache ich heute Nachmittag.

Die Tactic-Steckerlein sahen nach Form und Grösse so aus, als würden sie in den Spektrum-Ultra-Micro-Empfänger passen.

Natürlich passten sie nicht. Glücklicherweise stellten sie sich schon beim ersten Einpassen derart quer, dass ich jeglichen grobmotorischen Versuch des Passendmachens unterliess und so mindestens den Empfänger nicht schon am Anfang zerstörte.

Erschwerend kam hinzu, dass Great Planes bei den Kabellängen geknausert hatte. An seriöses Arbeiten an den Steckern im eingebauten Zustand war nicht zu denken. Deshalb wollte ich hinter dem Cockpit eine Öffnung in den Rumpfrücken schneiden um freien Zugang zur Verkabelung zu bekommen. Ein paar Sondierbohrungen liessen keine Probleme erwarten. Zu sehen war nichts.

Mit einem beherzten, chirurgisch sauberen Schnitt entlang den angedeuteten Blechstössen wurde eine Wartungsklappe ausgeschnitten. Öffnen liess sie sich freilich nicht. Mir war entgangen, dass die Eingeweide der F-86 zusammen mit Rumpfrücken und Impeller-Schacht vom Hersteller für die Ewigkeit mit einem Kunststoffträger verklebt worden waren. Nix zu wollen! Deswegen mussten alle weiteren Eingriffe – um bei den Chirurgen zu bleiben – minimal invasiv und endoskopisch durchgeführt werden.

Ab hier war in meiner Beziehung zu diesem „Projektchen“ eine Spur Verbissenheit zu erkennen.

P1040323 Immerhin konnte ich jetzt die Stecker seitlich durch den Schnitt aus dem Rumpf ziehen und so ein paar Millimeter Kabel und Luft fürs Arbeiten gewinnen.

Dem Ingenieur ist nichts zu schwör! – Und dieser stellte sich erst jetzt die grundsätzliche Frage: Passt der Empfänger überhaupt?

  • Grösse: passt in die vorgesehene Aussparung im Rumpf. – OK!
  • Gewicht: 2 Gramm alt gegen 2 Gramm neu. – Perfekt!
  • Betriebsspannung: 4.2 Volt Ausgangsspannung gemessen am BEC im Modell gegen 3.5 bis 9.6 Volt Eingangsspannung am Empfänger gemäss Spezifikation. – Passt!
  • Stecker: „Tactic irgendwas“ gegen Spektrum Ultra Micro. – #&!%%!

Also: Passende Stecker an Servos und Regler montieren. – Woher nehmen? – In der ganzen Schweiz keine gefunden. – Was nun? – Spektrum-Servos mit passendem Stecker kaufen und abschneiden? – So verzweifelt war ich noch nicht. – Schliesslich gefunden und bestellt bei Höllein in Deutschland. Nach einer Woche waren sie da.

Das Kriegsglück war aber nach wie vor auf der Seite meiner Feinde. Die Stecker passten nicht. Ich hatte mich vertan. Ausser Spesen nicht gewesen.

Daraufhin klagte ich mein Leid dem Händler meines Vertrauens. Dieser überlegte nicht lange und deutete auf ein Regal mit allerlei Stecker-Kleinkram: „Die kleinen von Multiplex passen“ (Servoanschlußkabel MPX-MICRO, Multiplex # 85140, übrigens auch erhältlich bei Höllein)

Die passten tatsächlich. Darauf muss einer erst mal kommen. Man sollte halt rechtzeitig jemanden fragen, der sich auskennt.

MPX-85140

So, nun kam das heitere Farbenraten mit den Kabeln: Das Tactic-Schwarz-Rot-Weiss und das JST-Braun-Orange-Gelb des Modells waren in das Multiplex-Rot-Schwarz-Gelb der Stecker zu überführen. Einfach das dunkelste auf das dunkelste usw. Das passt schon.

Das Verlöten der hauchdünnen Kabel war eine Kunst für sich und hat viel Nerven gekostet.

Ein kurzer Test, und es funktionierte … NICHT. Strom auf dem Empfänger, aber nichts geht. – Auf dem Bild eines AR6310 ist mir dann aufgefallen, dass beim Spektrum-Originalstecker in der THR-Buchse (Gas) der schwarze Draht auf den mittleren Pin geht, während der rote aussen liegt. Das war natürlich bei meinen Multiplex-Steckern nicht so. Verpolt. Plus und Minus vertauscht.

Wenn man mal weiss, dass es da ein Problem gibt, wäre bei Horizon auch der passende Adapter verfügbar.

Damit war mein Kreuzzug in die Phase „Offener Schlagabtausch“ übergegangen.

SPMAR6310_1

Schrumpfschläuchlein des Gas-Kabels wieder aufschneiden, Lötstellen lösen, richtige Drähte verlöten, diesmal rot auf schwarz und schwarz auf rot, Schrumpfschlauch wieder drauf, welch ein Gefummel, mit der Pinzette die Bind-Pins des Empfängers kurzschliessen, Akku einstecken … ES BLINKTE.

Das Binden auf die DX9 gelang problemlos. Gas einmal hoch und runter. Es piepste, und beim nächsten Gasgeben pustete die Turbine die Schrumpfschlauchreste vom Tisch. Auch die Ruder-Servos versahen jetzt ihren Dienst. Hurra!

Die Operationsnarben wurden noch mit farblich passendem Isolierband abgedeckt. Fertig!

So fand ein weiteres Projektchen ein glückliches Ende, wenn auch (wie so häufig) etliche Stunden und noch mehr Franken später als geplant.

Mehr zu den Kosten ist im Beitrag Für’n Appel und’n Ei zu finden.

Folgendes möchte ich auch noch zu Protokoll geben: Mein nächstes Modell wird mindestens so gross sein, dass ich mit beiden Händen im Rumpf arbeiten kann. Reinkriechen wäre noch besser …

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Ein Gedanke zu “Baubericht F-86 Sabre von Great Planes

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