Eine Libelle auf die Schnelle

Das #STAYATHOME im Zuge der Corona-Krise hörte sich, wären die Begleitumstände nicht so tragisch, für den Modellbauer gar nicht so bedrohlich an. Im Gegenteil. Die Modellflugplätze sind aber leider auch gesperrt. Ich produziere Flugzeuge auf Halde. Die Erfolgserlebnisse bleiben aus. Deshalb brauchts mal wieder was kleines, leichtes für die Wiese hinterm Haus.

„Kochduell“

Schnell soll es gehen. Als meine persönliche Corona-Challenge gebe ich mir 1 Wochenende, und zwar das nächste. Jetzt ist bereits Mittwochabend. Deshalb durchforsche ich mal kurz die Schubladen meines bescheiden gewordenen Ersatzteillagers (siehe Blog-Beitrag Jäger und Sammler). Ich ernte einen Jeti JDEX-R5L Empfänger und einen Satz Robbe Pico FS 31 Servos. Wie damals beim Kochduell auf VOX: Was mach ich jetzt da draus?!

Drei ebenfalls zufällig wieder gefundene 300 mAh NiMH-Akkus erinnern mich an eine vor Jahren Verflossene. Die Dream-Flight Libelle, gute Idee! Um nichts dem Zufall zu überlassen lade ich die Akkus zum ersten Mal seit Jahren wieder und teste sie unter Last. Es bleiben noch zwei. Der Bausatz sollte kurzfristig zu beschaffen sein. Leomotion hat noch einen. Am Freitag ist er da.

CA, ein Königreich für mittelflüssiges CA

Ein Rückschlag trifft mich gleich zu Beginn: Das mittelflüssige Cyanoacrilat, der Sekundenkleber für das „Schnelle“ in diesem Projekt, ist eingetrocknet. Mit dem dünnflüssigen CA möchte ich auf EPO-Schaum nicht arbeiten. Mal eben bei Hope Nachschub holen geht auch nicht. Modellbauzubehör ist zu, weil nicht systemrelevantes Gewerbe. Deshalb nehme ich den UHU-12-Stunden-Epoxy. Der ist mir ohnehin lieber, weil er ausreichend Zeit für’s Feinjustieren gibt und schlagzähere Verbindungen macht.

Epoxy für Schaumwaffeln

Die Trockenzeiten verlangen aber generalstabsmässige Planung, wenn das Projekt übers Wochenende fertig werden soll. Man kann die Teile nicht einfach mal eben von Hand zusammen drücken bis es hält. Das Material verträgt keine Schraubzwingen oder kräftigen Klammern. Es braucht schon etwas ausgefeiltere Methoden, um die Teile über Stunden sicher in Position zu halten. Im Beispiel unten wird der Sitz der Flügelverbinder und damit die korrekte V-Stellung der Flügel durch M2-Schrauben in den Befestigungslöchern erzwungen. Und natürlich durch viel Klebeband. Dieses darf aber nicht zu kräftig kleben, damit man beim Lösen keine Schaumkügelchen aus den Teilen reisst.

Nicht vergessen die Klebestellen, den weissen Schaum und die schwarzen Kunststoffteile, vor dem Auftragen des Epoxy von Trennmittelresten zu befreien. Ich mache das mit Nitro-Verdünner und einem Lappen oder Wattestäbchen.

Out of the box

Der Bausatz der Libelle ist gut dokumentiert und weitgehend idiotensicher. Abgesehen von den durch die oben erwähnte Klebe-Planung veränderten Reihenfolgen halte ich mich an den Bauplan.

Ausser natürlich beim Einkleben der Servos. Ich gehe davon aus, dass diese Komponenten länger halten werden als der Rest der Libelle. Ich möchte sie einfach und rückstandsfrei wieder entfernen können. Deshalb schrumpfe ich sie vor dem Kleben in eine transparente Hülle ein.

Etwas Nacharbeit an den präzise ausgeformten Servo-Vertiefungen des Modells braucht es ohnehin. Die hier verwendeten Robbe FS 31 Pico haben nicht die gleiche Form wie die von Dream-Flight vorgesehenen Stellmotoren.

Als Massnahme gegen das vorzeitige Altern härte ich die Vorderkanten und Enden der Flügel sowie die Unterkante des Seitenleitwerks mit transparentem Scharnierband. Dies ist eine Lehre von meiner letzten Libelle. Der EPO-Schaum leidet an diesen exponierten Stellen bei jeder Landung.

Unter der Haube …

… sieht es im Grossen und Ganzen aus wie im Manual vorgesehen. Die FS 31 Servos bauen etwas höher als die Originale. Dafür entstehen praktische Spalten für das Durchführen von Kabeln. Der Empfänger liegt mit den Servo-Ausgängen in Flugrichtung. Nach hinten führen zwei kurze Kabel weg für den Strom und für das Bind-Plug. Die Antennen kommen im Bereich der vorderen Schraube unter den Flügel zu liegen.

Statt der gemäss Bauplan vorgesehen 2 Verlängerungskabel für die Flügelservos, baue ich mir einen massgeschneiderten Kabelbaum für den Flügelanschluss. Das spart etwas Gewicht und entspannt die Platzverhältnisse im Cockpit. Ich muss nur 4- statt 6-adrig zwischen Servo, Empfänger und den Ruderanlenkungen hindurch.

Für die Balance, d.h. Schwerpunkt bei 77 mm für den Erstflug, benötigt die Libelle stattliche 23 g Ballast. Das ergibt ein Fluggewicht von 276 g, welches trotzdem noch unterhalb des im Manual angegeben Bereichs von 278 – 290 g liegt. (Ja, meine Waage ist geeicht und misst richtig.) Die originalen Dream-Flight-Gewichte mochte ich hierfür nicht beschaffen. Die Felgen-Auswucht-Bleie aus dem Autozubehör-Handel passen aber optimal in die Aussparungen und kosten einen Bruchteil.

Dream-Flight schlägt vor, den Akku mit Heisskleber an seinem Platz zu fixieren. Einkleben kommt für mich aber nicht in Frage wegen Flying Tom’s Standards und dem ungeliebten, sperrigen Akku-Laden im Flugzeug. Befestigung tut aber not. Die Magnete der Haube vermögen den Akku trotz sauberer Passung im DLG-Schleudergang nicht zu halten. Ich mache das jetzt so: Ein starkes Gummi-Band hält Haube und Akku in Position.

RC-Setup

Für den Erstflug setzte ich alle Einstellungen gemäss Manual inkl. Dual-Rates und Flight-Modes. Den LAND/Brake-Mode mache ich aber nicht über den Flight-Mode-Schalter sondern als Butterfly auf dem Gashebel. Durch stufenloses Bremsen sollten so butterweiche Landungen in die Hand möglich sein. Hoffe ich zumindest, so wie hier.

Fertig!

Das Wochenende hat für den Bau knapp gereicht. Der Bauplan verspricht die Fertigstellung in ca. 3 Stunden. Mehr ist es bei mir auch nicht gewesen, wenn ich das Zusehen beim Epoxy-Aushärten nicht mitzähle. Für den Erstflug ist’s leider schon zu dunkel. Nächste Woche ist Ostern. Dann müsste das eigentlich klappen.

Fazit

Die Libelle ist seit bald 10 Jahren auf dem Markt. Sie erfreut sich immer noch grosser Beliebheit und gehört zusammen mit der Alula vom selben Hersteller in jeden gut sortierten Hangar. Viel Flugspass für wenig Geld.

Mein Exemplar hier sollte allerdings nicht als Vorlage genommen werden. Es wurden unnötig teure Komponenten verbaut. Einfach weil ich die noch an Lager hatte.

Siehe auch Dream-Flight Libelle auf der Hangar-Seite.

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