MIGflight DG-600 – Baubericht – Bestandsaufnahme

Last Update: 18.04.2121

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Warum Bestandsaufnahme?

Normalerweise käme hier ein Unboxing oder ein Kit Review. Dieses Projekt hat aber eine Vorgeschichte. Einiges wurde schon gebaut, geändert und zugekauft. Der Besitzer, wir wollen ihn hier Oskar nennen, hat mir das angefangene Modell fein säuberlich gepolstert und in Schachteln verpackt zur Fertigstellung übergeben.

Hier soll geklärt werden, ob die Menge der Einzelteile wirklich ein Flugzeug ergibt und, falls ja, ob es so werden kann Oskar sich das vorstellt.

Überblick

Es scheint alles da zu sein, was den Flieger statisch und aerodynamisch ausmacht: Rumpf mit Haube und Antriebsklappen, Flügel mit Querruder, Wölbklappen, aufsteckbaren Enden und allen Servo-Abdeckungen, T-Leitwerk mit Seiten- und Höhenruder und erfreulicherweise sämtlicher Hardware zum Verbinden der Teile.

Schäden sind keine zu erkennen. Die Oberflächen sind abgesehen von ein paar belanglosen Unsauberkeiten aus der Herstellung makellos. Langsam kommt Freude auf.

Übrigens, die dunkelgrauen Servo-Abdeckungen gehören im Endausbau natürlich unter den Flügel.

Wer hat’s erfunden?

Hätte ich es nicht schon gewusst, oder wäre mir die Machart nicht wegen meiner RCRCM E-Tomcat bekannt vorgekommen, dann wüsste ich es jetzt: MIGflight lässt, wie andere europäische RC-Veredler auch, in China produzieren. Das Modell ist als RCRCM DG600 in einer reinen Segler-Version auf dem Markt, z.B. bei modellmarkt24.ch.

MIGflight steuert im Wesentlichen den Jetec-Antrieb und die nötigen Anpassungen am und im Rumpf bei. Zudem werden die Unterseiten von Flügel und Leitwert grau lackiert.

Antrieb

Das E-80-Triebwerk von Jetec ist das Herz- und Sahnestück des Models. Es kommt fixfertig mit Klapp-Mechanismus inklusive Servo. Der Modellbauer muss nur noch dafür sorgen, dass ausreichend Strom zugeführt wird.

Oskar hat bei Kontronik eingekauft. Der beiliegende Kolibri 140 LV kann alles, was das E-80 verträgt: 6- oder 8-Zellen-Lipo, 140 Ampere. Die 7mm-Stecker mit Blitzschutz gehen bis 200 Ampere. Das wird reichen. Ich glaube mit diesen Dingern hängen sie auch die Atomkraftwerke an das 380’000-Volt-Netz.

Stromversorgung

Die Flugakkus für den Antrieb werden erst beschafft, wenn klar ist wie wir mit dem Schwerpunkt hinkommen. Ein Ultra Guard ist aber schon mal mit dabei.

Triebwerksklappen

Die Klappen sind nicht als separate Teile hergestellt sondern aus dem Rumpf gefräst worden. Passen tun sie deshalb 100-prozentig. An die ab Werk eingeklebten Gummi-Scharniere aus „einem alten Fahrradschlauch“ muss man sich gewöhnen. Sie hätten sich aber bewährt, sagt MIGflight.

MIGflight schlägt auch vor, die geschlossenen Klappen mit Magneten in Position zu halten. Die Magnete dafür hat Oskar besorgt und hervorragende Halterungen in Carbon gefräst. Zudem hat er eine Schwäche im Klappen-Konzept entdeckt und bereits eine Lösung erarbeitet:

Das Triebwerk schiebt beim Ausfahren die Klappen gegen die Federkraft des Schliessmechanismus zur Seite. Dabei schleifen die rauen Carbon-Oberflächen der Klappen-Innenseiten über die glänzend weissen Aussenflächen des Triebwerks. Das wird wohl nicht ohne Kratzer abgehen. Die Innenseiten der Klappen wollen wir deshalb mit selbstklebendem schwarzem Samt rutschfähiger machen.

Flügel

Die Steckung passt und hält.

Ebenso bei den Flügelspitzen. Warum die letzten 25 Zentimeter des Flügels als separates Teil beiliegen? Wahrscheinlich sind Varianten vorgesehen. Verschiedene Längen oder etwas mit Winglets. In diesem Projekt ist eine unnötige Baustelle.

Die Fluchten sind OK. Die Planheit der Kontaktflächen hingegen … na ja, da braucht es noch etwas Nacharbeit.

Auf der Unterseite des linken Flügels ist beim Anstoss der Endplatte etwas schief gelaufen. Die Oberfläche ist teilweise eingefallen. Grosszügiges Grau-Drüber-Lackieren hat leider auch nicht geholfen. Dem Flugspass tut das aber keinen Abbruch.

Das hier ist der Querruder-Servo des rechten Flügels. Für die Wölbklappen kommt nochmal das selbe etwas weiter rechts.

Die Öffnungen für die Kabelbaum-Anschlüsse sind entsprechend den RCRCM-Standards für MPX-Stecker dimensioniert.

Leitwerk

Das Seitenruder ist 3-fach gelagert mit einem Carbon-Stab als Achse. Alles passt bestens. In der grossen Öffnung, im Betrieb durch das Ruder verdeckt, ist der Servo des Höhenruders montiert.

Angelenkt wird das Seitenruder via Carbon-Stab von einem Servo im Rumpf hinter dem Triebwerk. Diese etwas eigenwillige und schwer zugängliche Position ist wohl eine Kompromiss, weil das raumgreifende Triebwerk den Durchgang des ursprünglichen RCRCM-Seilzugs von Cockpit zum Heck versperrt. Das vom Hersteller mitgelieferte Servo-Brett hat erste Pass-Versuche nicht überlebt. Oskar, ein Könner an der Fräse, hat es in einer High-End-Version in Carbon nachgebaut.

Unter dem Höhenleitwerk wird ein Platte mit eingeschraubt. Dieses ist vorne dicker als hinten. MIGflight reduziert damit die EWD auf 1°, was widerstandsärmeres und damit schnelleres Fliegen ermöglicht. Klar, mit dem Jetec-Triebwerk soll die DG-600 nicht nur in der Thermik dümpeln.

Die Unterseite des Höhenleitwerks leidet an einer Flick-Stelle. Das vordere Schraubenloch ist „zugekleistert“ und darum herum wurde nachlackiert. Der Farbton stimmt nicht, und nach den Staubeinschlüssen zu urteilen wurde das auf dem Sägemehlhaufen in der Schreinerei gemacht. (Wir Perfektionisten haben ein hartes Leben.) Die Stelle ist aber in montiertem Zustand kaum zu sehen.

Haube

Als Freund der Zweckmodelle brauche ich eigentliche keinen Piloten, der im Massstab 1:5 aus dem Cockpit winkt. Deswegen bin ich froh, dass Oskar die glasklare Haube bereist passen zurecht geschnitten hat, und dass all die nicht-funktionalen semi-scale Detaillierungen nur noch eingeklebt werden müssen.

Und wenn ich mich schon mal geoutet habe:

Ich trauere dem verschenkten Rumpfvolumen und der Bauhöhe nach. Da muss ja noch einiges darunter installiert werden: Akku, Empfänger, Notstrom, Kabel, Kabel, Kabel. Und der Lüfter auf dem Regler heisst ja so, weil er irgendwoher Luft ansaugen müsste. Würde ich die DG-600 für mich selber bauen, hätte ich nach Inspektion dieser Baugruppe bei modellmark24.ch die originale schwarze RCRCM-Haube für CHF 49.- bestellt. Darunter könnte man sogar Neuschwanstein einbauen.

In Bezug auf die Befestigung der Haube kommt vom Hersteller nur der Vorschlag, man solle was mit Haken vorne und Gummibändern hinten versuchen. Auch hier wurde bereist vorausgedacht und an der Fräse in Carbon vorgearbeitet.

Die elaborierten, faserbeschichteten Holzteile deuten darauf hin, dass der Hersteller ein sehr genaues Bild hat, welche Komponenten wie und wo im Rumpf zu installieren und zu verkabeln sind. Ich bin gespannt, ob das auch für unsere Zwecke passt.

Was fehlt?

Nichts, resp. nur ein paar Kleinigkeiten aus der Rubrik „Kleinkram & Verbrauchsmaterial“. Die kann ich trotz reduzierter Lagerhaltung (siehe Blog-Beitrag Jäger und Sammler) aus meinem Fundus nehmen.

  1. Das E-80-Triebwerk enthält einen Leopard-Motor mit speziellen 4mm-Goldsteckern. Für den Regler-Anschluss braucht es die passenden Buchsen.
  2. Multiplex-Stecker und Zubehör für die Flügelanschlüsse.
  3. Litzen in verschiedenen Farben und JR-Stecker für den Kabelbaum des Empfängerstromkreises.

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