La vue c’est la vie

… erklärte uns der Instruktor damals bei der Fliegerabwehr: Die Sehkraft entscheidet über Leben und Tod. Dann liess er uns alle zum Sehtest antreten. Die hochtechnisierte 35mm-Flab hätte zwar im Normalfall dank Radar und Computer das meiste automatisch gemacht. Im Notfall hätten wir aber von Auge suchen und zielen müssen. La vue c’est la vie.

35mm

Den Sachverhalt in die Modellfliegerei zu übertragen bedarf nicht solch martialischer Worte. Dass man nicht weiter fliegen sollte als man sehen kann, oder andersrum, dass die Sehkraft mit darüber entscheidet, wie gross deine Sprünge in diesem Hobby werden, ist aber unbestritten.

MyopiePresbyopie und Astigmatismus. Ich will mich hier nicht über Gebühr mit meinen ophthalmologischen Fremdwortkenntnissen brüsten. Aber wenn Du das alles im Auge hast, dann ist eines klar: Im Grossen Plan der Vorsehung war für dich keine Fliegerkarriere eingetragen worden.

Nun liege ich ja mit meinem Optiker schon länger in Fehde. Allzu naiv hatte ich offenbart, dass ich nicht nur meine Wegwerf-Kontaktlinsen im Internet bezog, statt im autorisierten und kompetenten Fachhandel. Nein, ich hatte auch noch eigenmächtig des Meisters Korrekturen um eine Dioptrie korrigiert. Im Feldversuch – im wahrsten Sinn des Wortes – hatte ich draussen auf der Wiese mit Linsen verschiedener Stärken experimentiert, um die optimale Fernsicht für den Modellflug zu erreichen.

„Überkorrigiert! Die Verbesserung bilden Sie Sich nur ein. Davon werden Sie ermüden und Kopfschmerzen kriegen.“ war das Verdikt des Schriftgelehrten.

Natürlich habe ich nicht auf ihn gehört und bin jetzt bald drei Jahre zu meiner vollsten Zufriedenheit mit meinen eingebildeten Adleraugen geflogen, notabene ohne Kopfschmerzen und Müdigkeit. Etwas Tuning war an der Sehprothese dennoch nötig: Die einseitige Optimierung auf Distanz liess den Nahbereich in der Unschärfe verschwinden.

Selbstverständlich weiss der Modellpilot auch blind, wo die Hebel und Knöpfe auf der Funke sind. Und um mitzukriegen, was um einen herum lief, hatte es noch allemal gereicht. Bei den unvorhergesehenen Feinheiten aber, wenn zum Beispiel vor dem Flug noch ein Nullkommairgendwas-Schräubchen am Modell justiert werden wollte, oder wenn die Blendenvorwahl der Kamera dringen eine Verstellung brauchte, dann wurde die Szene schnell etwas uncool, auch wenn man dabei eine Ray-Ban® trug.

Hier sollte ich vielleicht noch einschieben, dass ich normalerweise Brille trage. Leidlich modisch und multifunktional geschliffen bringt sie mich ohne auch nur die geringste Behinderung durch den Alltag. Der obige Optiker ist also durchaus eine Zierde seiner Profession. Nur den Adlerblick, den konnte er halt bei all den nötigen Kompromissen nicht auch noch mit rein schleifen.

Fürs Fliegen bleibt es deshalb vorerst bei den Kontaktlinsen. Für den fehlenden Nahbereich hat mir der Optiker eine Lesebrille über den Linsen empfohlen. Dass er mir nicht gleich eine verkaufen wollte, weiss ich nicht richtig zu deuten. Fehlende Geschäftstüchtigkeit oder immer noch das Kriegsbeil? Zumindest liess er durchblicken, dass Lesebrillen am Kiosk zu kriegen seien, und dass ich eine +1.5 brauchen würde.

Kurz darauf stand ich am Bahnhofskiosk und kaufte mir eine Brille – und die FMT für einen Instant-Sehtest: Perfekt. Trotz Fernsichtlinsen war das Kleinstgedruckte im Impressum problemlos zu lesen.

Das Unglaubliche daran aber war, dass die Brille mit CHF 9.50 weniger gekostet hat als die FMT. Da sieht man grosszügig darüber hinweg, dass sich ausreichender Tragekomfort nur dank mutigem Zurechtbiegen und feinmechanischen Nacharbeiten in der heimischen Modellbauwerkstatt erzielen liess. Zudem sind Coolness-Faktor und modische Ansprüche dieser Lesehilfe aus der Retro-Linie „Urgrossvater“ genau so tief wie der Preis. – Hauptsache man sieht was.

Ich werde demnächst meinem Optiker ein Friedensangebot machen. Vielleicht hat er Lesebrillen auch in schön. Das wäre auch eine gute Gelegenheit um über eine reine Fernsicht-Brille zu reden.

Anmerkung der Red.: Wenn Du bis hierher gelesen hast, bist Du wahrscheinlich ein Leidensgenosse oder ein Optiker. Wie sind Deine Erfahrungen oder Empfehlungen? Kommentare werden gerne genommen!

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